Keiner wartet...

KRANKHEIT UND TOD (1974/1975)

  

»Vor meinem eignen Tod ist mir nicht bang. Nur vor dem Tode derer, die mir nah sind. Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?« – Die Anfangszeilen des schon in den Vierziger Jahren entstandenen »Memento« machen deutlich, dass diese Angst immer unterschwellig in ihr gewesen ist und fast an die Gewissheit grenzte: sie würde die ihren überleben.

Aus den Gedichten »Seiltänzerin ohne Netz« und »Keiner wartet« spricht wie aus fast allen 1974 – ihrem letzten Lebensjahr – entstandenen Gedichten der Schmerz über den Verlust ihres Mannes. Seines Schutzes, seiner Liebe und menschlichen Güte beraubt, war Mascha Kaléko nun einem Grad von Einsamkeit ausgesetzt, den zu ertragen über ihre Kräfte ging.

Noch einmal kommt Lebenshoffnung auf, als sie im Herbst 1974 Berlin besucht und ihren letzten Vortragsabend gibt. Die geliebte, dann verlorene und später so veränderte Stadt hat es ihr von neuem angetan. Sie spielt mit dem Gedanken, neben dem Jerusalemer Domizil eine kleine Wohnung in Berlin zu nehmen, um dort zu leben, wo sie als junge Frau so glücklich gewesen war.

Doch der Tod hat ihr alle Entscheidungen abgenommen. Ein Zwischenaufenthalt in Zürich auf dem Rückweg nach Jerusalem wurde zur letzten Lebensstation. Sie starb in Zürich am 21. Januar 1975 und wurde dort auf dem Israelitischen Friedhof Friesenberg begraben.

 

  

Mein schönstes Gedicht?

Ich schrieb es nicht.

Aus tiefsten Tiefen stieg es.

Ich schwieg es.

 

 

 

 

 

 

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